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Sonntag, 19. Oktober 2014

Endlich mal eine halbe Stunde Zeit zum Schreiben...

Also eines gleich vorweg: Das geht ab wie Lutzi hier. Jetzt ist sogesehen erst die dritte/zweite Vorlesungswoche rum, wir haben schon das erste "assignment" (so ungefähr mit einer Hausarbeit zu vergleichen oder einem kleineren Projekt) rum und haben zwei mehr aufgetischt, zu denen gleich am Dienstag noch zwei weitere dazu kommen. Die finden meistens in kleineren Teams statt, die für jedes Fach seperat ausgewählt werden. Die Teams werden/wurden von den Professoren vorher bestimmt, da diese eine möglichst hohe Diversifikation innerhalb der Gruppen erreichen wollen (Geschlecht, Nationalität, Hintergrund), um das "international" im "international management" zu betonen. Ich arbeitete bspw. im ersten assignment mit zwei Griechinnen, einem Brasilianer, einer Chinesin und einem Inder zusammen. Jetzt im zweiten größeren assignment (das bis Anfang Dezember geht) mit einer Iranerin, einem Inder und einer Chinesin.

Im Klassenzimmer haben wir 22 verschiedene Nationalitäten. Daher hatten wir in der ersten Woche eigentlich nur eine Art "soft skill" Workshop, um die Wichtigkeit des interkulturellen Verständnisses (und die Schwierigkeiten die eine so hohe Diversifizität mit sich bringt) besser zu begreifen.

Die Professoren sind sehr anders als ich das aus Deutschland gewohnt bin. Man nennt alle beim ersten Namen und vieles läuft viel freundschaftlicher und näher ab, als ich das gewohnt bin. Erfrischend ist das aber auf jeden Fall.

Aktuell bin ich noch etwas am Zweifeln was den Kurs angeht. Sind interessanterweise aber alle Deutschen. So richtig "Stoff" (im Sinne von Neues) hatten wir bisher noch nicht. Ich kannte alle Theorien/Modelle/Lerninhalte, die wir bisher durchgenommen hatten schon sehr ausführlich und den restlichen Deutschen ging es nicht anders. Da alles so kompetitiv rüberkam hatten wir da doch ein viel höheres Niveau erwartet. Ich hoffe ganz stark, dass das die nächsten Wochen noch zulegt, sonst lerne ich nämlich nicht viel Neues (Fachliches; sozial und kulturell gibt es jeden Tag haufig Neues) in dem Jahr. Meine Vermutung ist aber auch, dass die ersten Wochen eher dazu geplant sind, mit allen warm zu werden, da in dem Jahr enorm viel Teamarbeit auf uns zukommt.

Was die Sache nicht weniger schwierig macht: Wir haben fast jeden Tag ganztags Vorlesung mit semi-Anwesentheitspflicht. Wenn mal ein halber (oder was seltener vorkommt: ein ganzer) Tag frei ist, muss man sich zwangsweise mit einer der vielen Gruppen treffen, um das Vorgehen zu einem der assignments zu besprechen. Das kann teils richtig lange dauern, da das sprachliche Niveau doch deutlich niedriger ist, als ich das vermutet hätte. Im Sprachenglisch bin ich erstaunlicherweise mit ziemlich weitem Abstand der Beste. Was ich immer wieder verblüffend finde: Schriftlich sind die alle durchaus gut, nur ist die Diskrepanz zwischen Sprechen und Schreiben/Verstehen teils so gigantisch, dass ich es kaum glauben kann, dass der ein oder andere Text wirklich von der Person stammt.

Super Leute gibt es im Kurs aber allemal. Wir haben schon einen tollen Freundeskreis aufgebaut und machen regelmäßig verschiedene Dinge. Besonders gut ist hier auch, dass ich mit den Chinesen etwas Chinesisch sprechen kann und so zumindest das wenige Chinesisch, das ich denn kann, nicht so schnell verliere.

Gestern fand auch das erste Event der International Culinary Society statt. Das war mit knapp 36 Teilnehmern und 22 neuen Mitgliedern sehr erfolgreich. Um auch mal ein paar Worte über die society zu verlieren: In GB haben die "clubs and societies", also quasi diverse Studeninitiativen, die sich mit Hobbies, kulturellen Themen, Fachlichem usw. beschäftigen, einen sehr hohen Stellenwert. Strathclyde hat hiervon bspw. über 130 und damit verdammt viele solche Clubs. Zum Schmunzeln: Es gibt bspw. einen Club für Investmentbanking oder auch die Pokemongesellschaft.

Grundsätzlich haben die diversen Clubs immer irgendwelche eigenen Ziele, z.B. soziale Projekte fördern oder bessere Verbindungen zu diversen Industrien zu bekommen. Unsere Idee des ICS ist: Völlig egal aus welchem kulturellen Hintergrund man kommt, sei es aus einem afrikanischen Land, aus den USA, Europa oder Asien; eine Sache bringt die Menschen immer zusammen: Essen. Daher wollen wir den kulturellen Austausch fördern, indem wir durch diverse Events und "Verkostungen" viele Leute aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringen. Gestern taten wir das in unserem "kick-off" Event, indem die restlichen Kommitteesmitlglieder und meine Wenigkeit insgesamt 14 verschiedenen Gerichte - aus Italien, Frankfreich, Deutschland, Argentinien, Amerika, China und Indien - zubereiteten und alle Interessierten zu unserem "meeting" einluden. Das war eine richtig tolle Stimmung und viele waren sehr enthusiastisch, da wir von allen Clubs der einzige sind, der sich mit Essen beschäftigt.

So. Und in diesem Club bin ich der "president". Ich sollte also den Club irgendwie zusammenhalten, neue Events anstoßen und mitorganisieren, das ganze Pack nach außen hin vertreten und mit dem restlichen "committee" die ganze Gesellschaft nach vorne bringen. Ich durfte auch neue Leute einstellen, neben mir gibt es noch eine Schatzmeisterin (aus Indien), die Eventchefin (aus Italien) und die Marketingchefin (aus China).

Das klingt bis jetzt gar nicht so schwierig, ist aber in der Realität nicht so einfach, da es die Gesellschaft erst seit letztem November gibt und alle bisherigen "Funktionäre" Masterstudenten waren und ergo alle zum gleichen Zeitpunkt gingen. Das bedeutete für uns: Wir durften mehr oder weniger von vorne anfangen, da  von Tuten und Blasen keiner eine Ahnung hatte. Woher kommt Geld? Auf was muss ich achten? Gibt es Räumlichkeiten von der Uni? Was machen wir, wenn wir sogar Geld verdienen? Müssen wir jemand Rechenschaft ablegen? Wo gibt es Ansprechpartner? Das sind nur einige der anfänglichen Fragen, durch die ich mich teils etwas mühevoll durchfragen musste. Zum Glück ist die "Dachorganisation", die Student Union, enorm hilfreich und ein super Ansprechpartner. So konnten wir uns immerhin innerhalb von nur drei Wochen von "Häh? Was? Warum...? Wie jetzt...?" zu "Am Samstag gibt's Essen" umorganisieren.
Bei Interesse, hier ist unser Blog: UCICS . Da wird es im Laufe der Zeit noch mehr Rezepte geben.

Diesen Monat wird es noch richtig rund gehen hier an der Uni. Kommende Woche fängt eine neue Vorlesung an (die sind hier immer alle geblockt, ich habe also ein Fach meistens nicht länger als drei Wochen), die als sehr schwierig gehandelt wurde. Außerdem geht es Ende Oktober noch für eine sehr praktische "team-building-exercise" nach Cumbrae, einer kleinen Insel an der Küste Schottlands. Dort müssen wir lernen mit Motorbooten zu fahren, müssen eine Route erstellen und diese dann bestmöglichst im Team abfahren und navigieren. Die Idee hier ist quasi: Wie reagiere ich unter hohem Druck? Wie gehe ich unmittelbar im Team bei einer Problemsituation um? Solche Sachen die man als "international manager" vielleicht mal brauchen kann.
Das ganze geht drei Tage. Ihr werdet also vom 29.10 bis 31.10 nicht so viel von mir hören.

Ich muss mich jetzt wieder hinter ein assignment klemmen. Ich hoffe sehr, dass ich zumindest noch im Oktober die Zeit finde, mich hier zu melden!


 

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